News

Yousef Dakkah: Vom Flüchtling zum ausgezeichneten Facharbeiter

Junger Syrer findet Zuflucht im Lahn-Dill-Kreis und hilft, als Ausbildungsbester ein Fachkräfteproblem zu lösen

Von links: Christina Lipp, Yousef Dakkah und Günter Märzhäuser

Yousef Dakkah ist dankbar. Dankbar dafür, dass er aus der inzwischen völlig zerstörten ehema-ligen syrischen Rebellenhochburg Homs sein nacktes Leben retten konnte, dankbar dafür, dass er seine abenteuerliche Flucht unversehrt überstanden hat und auch dankbar dafür, Menschen, wie Christina Lipp, Andreas Sprang und Günter Märzhäuser getroffen zu haben. Sie haben da-zu beigetragen, dass der 27-jährige aus Sinn jetzt als Ausbildungsbester im IHK-Bezirk Lahn-Dill die Ausbildung zum Zerspanungsmechaniker abgeschlossen hat und als Facharbeiter seinen Lebensunterhalt selbst bestreiten kann.


Aber der Reihe nach: Auf seiner Flucht musste der ehemalige Fliesenverkäufer den gefährlichen Weg über das Mittelmeer nach Griechenland nehmen. Dort traf er auf zwei Cousins. Zu dritt setzten die jungen Männer die Flucht über die Balkanroute fort. Nachdem die Einreise in Mazedonien erst im vierten Anlauf gelang, wurden sie dort ohne Angabe von Gründen mit vierhundert weiteren Flüchtenden in einer Turnhalle inhaftiert. Dabei wurden ihnen sämtliche Kommunikationsmittel abgenommen. Nach 25 Tagen intensiver Proteste der Inhaftierten, wurde die Öffentlichkeit aufmerksam, so dass sich der Balkanstaat gezwungen sah, die Gefangenen freizulassen. Über Serbien, Ungarn und Österreich erreichte das Trio im Juni 2015 schließlich deutschen Boden.

Yousef schließt Ausbildung als Kammerbester ab
In Deutschland angekommen, nahm Yousef an einer Qualifizierungsmaßnahme der Wetzlarer Arbeitsagentur teil. Dort lernte er Christina Lipp vom ‚Verein für außerbetriebliche Ausbildung Wetzlar‘ (VaAW) kennen, die im Auftrag der Arbeitsagentur das Seminar leitete. Weil ihm die Wartezeit für einen staatlichen Deutschkurs zu lange dauerte, brachte er sich die deutschen Sprachkenntnisse selbst bei. „Ich habe sofort wahrgenommen, dass sich Yousef in Deutschland vollständig integrieren wollte und hochmotiviert war“, erinnert sich Lipp. Weil er nach einer unverschuldet abgebrochenen Lehre keinen neuen Ausbildungsbetrieb finden konnte, wandte sich der junge Flüchtling erneut an Christina Lipp und den Berufsberater Andreas Sprang von der Wetzlarer Arbeitsagentur. Gemeinsam vereinbarten die Drei eine ‚Berufsausbildung in einer außerbetrieblichen Einrichtung‘ (BaE). Dabei stellte der VaAW in seiner Einrichtung einen Ausbildungsplatz zur Verfügung. Finanziert wurden Ausbildung und Lebensunterhalt von der Agentur für Arbeit. Damit Yousef das dritte Ausbildungsjahr in einem betriebsnahen Umfeld durchführen konnte, absolvierte er das letzte Drittel der Ausbildung in der Märzhäuser Wetzlar GmbH &
Co. KG.


Für den Geschäftsführer Günter Märzhäuser brachte der Sinner alles mit, was einen guten Zerspanungsmechaniker ausmacht: „Er hat eine sehr schnelle Auffassungsgabe, ist intelligent und kann das Erlernte ohne Probleme technisch umsetzen. Beeindruckt haben mich auch seine vorzüglichen mathematischen Vorkenntnisse“. Nachdem die Nachwuchskraft bereits seinen ersten Prüfungsteil als IHK-Bester abgeschlossen hatte, wiederholte er diesen Erfolg jetzt auch in der abschließenden Prüfung. Dass er direkt im Anschluss einen Arbeitsvertrag bei dem zweihundert Mitarbeiter zählenden Wetzlarer Unternehmen erhielt, zeichnete sich bereits früh ab. Wie hoch seine Motivation ist, zeigt nach Lipps Angaben auch die Tatsache, dass er trotz umständlicher öffentlicher Verkehrsbedingungen immer pünktlich anwesend ist. Weil der junge Mann, der an seinem Heimatort als ehrenamtlicher Übersetzer tätig ist, nun im Drei-Schicht- Betrieb eingesetzt wird, sucht er nunmehr mit Unterstützung des Unternehmens eine Wohnung an seinem Beschäftigungsort.

Kontakt

Anselme Champollion

Leitung Wirtschaftsförderung Lahn-Dill-Kreis

Karl-Kellner-Ring 51
35576 Wetzlar

06441 407-1222
anselme.champollion@lahn-...